Der aktuelle Integrationsbericht der Bundesregierung unterstreicht den Stellenwert guter Deutschkenntnisse für gesellschaftliche Teilhabe und mehr Chancengleichheit. Doch: Jedes zweite bis dritte Kind mit Migrationshintergrund, aber auch jedes zehnte Kind, das mit Deutsch als Muttersprache aufwächst, weist Sprachdefizite auf.
An Programmen, die dies beheben sollen, herrscht kein Mangel, aber der Nachweis ihrer Wirksamkeit konnte bisher nicht erbracht werden. Was sind die Gründe dafür? Und wie realistisch sind die Erwartungen an die Förderung überhaupt? Welche Ansätze gibt es und wie geeignet sind sie? Das Berlin-Institut hat den aktuellen Diskurs zum Thema Integration und Sprachförderung in Deutschland zusammengefasst, ausgewertet und gesellschaftlich verortet. Als Ergebnis stellt das Diskussionspapier "Dem Nachwuchs eine Sprache geben – was frühkindliche Sprachförderung leisten kann" neun Kriterien auf, die für eine gelungene Sprachförderung von zentraler Bedeutung sind.
Die Empfehlungen des Berlin-Instituts beruhen auf der Analyse von demografischen Daten, der gängigen Praxis zur Sprachstandserhebung und sprachwissenschaftlichen Ansätzen zum frühkindlichen Spracherwerb. Beleuchtet wurden dabei vor allem die Situation von Kindern bildungsferner Schichten sowie die von Kindern mit Migrationshintergrund.
Als einen wesentlichen Grund für die Sprachdefizite dieser Kinder macht das Paier das fehlende "Sprachbad" aus. Denn der so bezeichnete tägliche Umgang mit der Sprache, der für einen mühelosen Erwerb des Deutschen nötig wäre, ist im Leben vieler Kinder keine Selbstverständlichkeit. So geht ein Drittel der nicht-deutschsprachigen Kinder in eine Kita, in der die Mehrheit der anderen Kinder ebenfalls nicht mit Deutsch als Muttersprache aufwächst. Es ist daher entscheidend, dass das Personal in den Kindergärten für das Thema sensibilisiert und darin geschult wird, wie es die Sprachkompetenz ihrer Schützlinge fördern kann, so eines der Ergebnisse. Die Förderung sei oft zu kurz und die Kursleiter sind nicht ausreichend auf ihre Aufgabe vorbereite, so Tanja Kiziak, Bildungsexpertin beim Berlin-Institut: "Einzelne Sprachkurse können die Sprachförderung im Alltag auch nicht ersetzen, sondern bestenfalls ergänzen".
Das Diskussionpapier gibt es als Download.